06. August 2026
Das kraniale Kreuzband stabilisiert das Kniegelenk, indem es unter anderem die kraniale Translation der Tibia gegenüber dem Femur verhindert und zur Rotationsstabilität des Gelenks beiträgt.
Der kraniale Kreuzbandriss stellt eine der häufigsten Ursachen für eine Lahmheit der Hintergliedmaße beim Hund dar. Es handelt sich meist nicht um eine akute traumatische Verletzung, sondern um das Endstadium eines chronisch-degenerativen, multifaktoriellen Prozesses. Bei den meisten Hunden entwickelt sich die Ruptur infolge einer fortschreitenden Degeneration des Bandgewebes. Die verminderte mechanische Belastbarkeit führt dazu, dass sogar physiologische Belastungen eine partielle oder vollständige Ruptur verursachen können. Die daraus resultierende Instabilität führt zu Meniskusschäden, Knorpeldegeneration und einer fortschreitenden Osteoarthrose.
Einige Patienten entwickeln im weiteren Verlauf auch eine Ruptur des kontralateralen Kreuzbandes.
Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen:
• Rasseprädisposition (z.B. Labrador Retriever, Rottweiler, Boxer, Neufundländer)
• Genetische Prädisposition
• Übergewicht
• Hohe mechanische Belastung des Kniegelenks
• Chronische entzündliche Veränderungen der Synovia
• Veränderte Gliedmaßenkonformation (z.B. steiler Tibial Plateau Angle)
• Funktionelle Faktoren (z.B. reduzierte Muskelkraft, eingeschränkte Beweglichkeit des Gelenks)
Die klinischen Symptome variieren je nach Ausmaß der Läsion. Akute Rupturen führen häufig zu einer hochgradigen Lahmheit bis hin zur vollständigen Entlastung der betroffenen Gliedmaße. Chronische Verläufe zeigen oft nach Belastung oder Ruhephasen eine intermittierende Lahmheit und eine fortschreitende Muskelatrophie.
Die Diagnose basiert auf einer Kombination aus klinischer Untersuchung und bildgebender Diagnostik. Wichtige Bestandteile der orthopädischen Untersuchung sind der Nachweis einer kraniokaudalen Instabilität (Schubladenphänomen, Tibiakompressionstest) sowie die Beurteilung von Gelenkergüssen, Schmerzreaktionen und dem Bewegungsumfang.
Bei mittelgroßen und großen Hunden wird häufig eine chirurgische Stabilisierung des Kniegelenks empfohlen (Tibial Plateau Leveling Osteotomy (TPLO), Tibial Tuberosity Advancement (TTA)). Beide Verfahren verändern die Biomechanik des Kniegelenks, sodass die während der Belastung entstehenden Scherkräfte reduziert werden. Das Kreuzband an sich wird nicht rekonstruiert. Bei kleineren Hunden können extrakapsuläre Stabilisationstechniken (z.B. laterale Fadenzügelung) eingesetzt werden. Das Ziel der Behandlung besteht nicht darin, degenerative Veränderungen vollständig zu verhindern, sondern eine möglichst schmerzfreie, belastbare und funktionelle Gelenkfunktion zu erhalten.
Eine postoperative Rehabilitation ist ein entscheidender Bestandteil der Behandlung des kranialen Kreuzbandrisses. Diese sollte ein angepasstes Bewegungstraining, Muskelaufbau und eine Gewichtsreduktion bei übergewichtigen Patienten beinhalten.
© 2025. RosinVet. All Rights Reserved.
Made By BookaBrain